Lehrer Piesnack verließ nach zwei Jahren den Ort. Die zweite Lehrstelle wurde in den Folgejahren nacheinander von fünf weiteren Lehrern besetzt. Kirchenämter waren mit der hiesigen ersten Lehrstelle nicht verbunden. Sie war mit 810 Mark jährlich dotiert. Die Schüler sprachen damals ein Gemisch aus Hochdeutsch und Lausitzer Dialekt. Letzterer floss, sehr zum Ärger von Rektor Kühne, in die geschriebenen Diktate.
Da die Kinderzahl beträchtlich angestiegen war, wurde das Schulgebäude um einen Klassenraum erweitert. 1900 lebten in Tschernitz 898 Menschen. Wie die Einwohner die Jahrhundertwende feierten, ist nicht übeliefert. Feierlich soll es dagegen in der Dubraucker Kirche zugegangen sein, sicherlich auch in Gegenwart von tschernitzer Kirchengängern. Am Anfang des Schuljahres 1900/1901 gab es im Ort 166 schulpflichtige Kinder, die in drei Klassen unterrichtet wurden. davon in der mittelstufe 46, in der Unterstufe 63 und in der Oberstufe 57 Schüler.
Abteilungsunterricht wurde im Schreiben und Lesen erteilt. Im Stundenplan gab es Fächer wie: Biblische Geschichte, Altes und Neues Testament, Schönschreiben, Rechnen und Singen. Die Erteferien begannen in diesem Schuljahr am 16.Juli und endeten bereits am 4.August. In den Herbstferien von 1. bis 13.Oktober mußten die meisten Schüler helfen, die Kartoffel- und Rübenernte eintzubringen. Am 18.Januar 1901 wurde die zweihundertste Wiederkehr der Krönung des Kurfürsten Friedrich III zum König Friedrich I von Preußen in Königsberg gefeiert. An Anlässen zum Feiern mangelte es auch damals nicht. Durch einen Königlichen Regierungsrat und Schulrat gab es am 7.März eine Schulrevision bzw. Visitation, dadurch fiel die damals übliche Osterprüfung aus. 17 Konfirmanten wurden in diesem Jahr entlassen. Am 19.September 1903 starb der Lehrer T. Kühne nach 32-jähriger erfolgreicher Tätigkeit. Sein Nachfolger als erster Lehrer imd Rektor wurde Karl Knaack der am 1.Januar 1904 seinen Dienst an der hiesigen Schule antrat. In seiner Amtszeit wurde die rote Schule errichtet, heute noch gilt sie als eine Art Wahrzeichen von Tschernitz.
!"Kurz etwas zu ihrer Entstehungsgeschichte. Die Geschäfte des Glaswerkes am Ort florierten. Eine Erweiterung macht sich erforderlich. Die 1873 eingeweihte Schule, der Schulhof und der Turnplatz wurden vom damaligen Hüttendirektor Kleiner der Gemeinde für 10 000 Mark abgekauft und in das Glashüttengelände eingegliedert. Im Jahre 1907 wurde in Tschernitz die rote Schule eingeweiht. Der Bauunternehmer Wilhelm Möbus aus Groß Kölzig fertigte dazu die erforderliche Zeichnung an. Diese wurde von der königlichen Regierung genehmigt. Der Bau konnte beginnen, den Bauauftrag erhielt oben genannter Bauunternehmer. das Haus aus roten Backstein sollte Platz bieten für zwei Wohnungen für verheiratete Lehrer, zwei für unverheiratete Lehrwer sowie für vier Klassenräume. Am 1.Juli 1906 erfolgte die Grundsteinlegung mit den üblichen drei Hammerschlägen. Pastor Vetter aus Dubraucke hatte dazu geladen. Am Abend fanden in Ortssälen (Kokula, Noack) öffentliche Tanzveranstaltungen statt. da die Ziegelei Spiegel in Groß Buckow ihren Lieferverpflichtung nicht nachkommen konnte, gab es anfangs Verzögerungen beim Bauablauf. Es wurde Verbindung aufgenommen zur Verblendsteinfabrik Nieder-Ullersdorf bei Sorau"!
Die Steine dieser Firma zeichneten sich durch Akkuratesse in der Form, Gleichmäßigkeit in Farbe und Festigkeit aus. Der Verwendung dieser Steine verdankt die Schule noch heute ihr schönes Aussehen.
Über die Einweihung schrieb der erste Lehrer Knaack einen Bericht für das ,,Forster Tagesblatt" . Darin heißt es u.a.: ,,Die Gemeinde hat sich ein Denkmal gesetzt für nachfolgende Geschlechter, das in jeder Beziehung erkennen laßt, wie sehr sie die Ausbildung ihrer Kinder und die Arbeit des Lehrers zu schätzen weiß. Am 4.Juli 1907 fand die Einweihung statt. Der Festakt war auf 12.oo Uhr mittags angesetzt. Die königliche Regierung hatte ihren Vertreter Herrn Oberregierungsrat von Schrötter entsandt. Der Herr Kreisschulinspektor D. Eisenbeck aus Spremberg und der Landrat des Kreises Sorau, Herr von Bredow, waren ebenfalls zugegen."