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Verbrenner feiern ein Comeback?
Genesis: Zurück zum Verbrenner und zum normalen Garagen-Verkauf
Darum gehts
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Genesis-Europachef Peter Kronschnabl ändert die Strategie der Marke.
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Die Automarke kehrt in Europa zu Hybridfahrzeugen zurück.
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Genesis setzt neu auf ein klassisches Händlernetz statt Direktvertrieb.
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Der neue GV60 Magma soll Genesis sichtbarer machen.
Peter Kronschnabl übernahm vor fünf Monaten die Leitung von Genesis in Europa. Ein Gespräch über die überraschende Rückkehr des Hybrids,
den Abschied vom reinen Direktvertrieb und warum der Datenschutz bei der koreanischen Marke ein stiller, aber wichtiger Trumpf ist.
Genesis-Europa-Chef, anlässlich der Lancierung des Genesis GV60 Magma.
Herr Kronschnabl, die Automobilwelt ist derzeit von grosser Ungewissheit geprägt. Vor zwei Jahren hiess es bei Genesis noch: in Europa nur
elektrisch. Wie gehen Sie heute mit dieser Strategie um?
Peter Kronschnabl: Ich bin ein Freund von Technologieoffenheit. Die Entscheidung für reine Elektromobilität wurde vor zwei Jahren getroffen, als
viele dachten, das Thema würde schneller kommen. Wir haben diese Entscheidung jetzt überarbeitet. Global gibt es bei Genesis vom Hybrid über
den Verbrenner bis zum Elektroauto ein komplettes Portfolio. Wir werden deshalb in Europa und in der Schweiz ab Ende 2027 wieder mit
Hybriden antreten und dementsprechend die Offenheit für unterschiedliche Antriebsstränge anbieten.
Heisst das, der klassische Verbrenner feiert bei Ihnen ein Comeback?
Auslaufende Modelle werden wir nicht mehr neu zertifizieren, aber die nächsten Generationen kommen wieder ganz normal sowohl elektrisch als auch als Hybrid. Ich glaube persönlich daran, dass sich die Elektromobilität
langfristig durchsetzen wird, aber man sollte dem Kunden bis dahin die Freiheit geben und ihn nicht einschränken.
Neben dem Antrieb ändern Sie auch den Vertrieb. Genesis startete in der Schweiz mit einem reinen Direktvertrieb und «Service-Butlern». Hat sich das nicht bewährt?
Nun, das Direct-Sales-Modell ist nicht bis dahin skalierbar, wo wir hinwollen. Wir werden jetzt im Vertriebsmodell in das Retail-System gehen, also klassisch mit Händlern arbeiten. Wir werden dabei auch Synergien mit den
Händlern von Hyundai nutzen, vor allem im Service – dort kaufen wir uns 50 Jahre Erfahrung und Qualität ein.
Wenn man fragt, welchen Marken Genesis am ehesten Kunden abjagt, werden Marken wie Lexus, Volvo oder Jaguar erwähnt. Ist das Ihre primäre Zielgruppe?
Das macht Sinn, weil diese Marken in der Loyalitätsrate wahrscheinlich geringer sind als das europäische Establishment im Premium-Segment. Es ist immer schwierig, langjährig loyalisierte Kunden der grossen Marken
abzuwerben. Deshalb freuen wir uns natürlich über jeden Kunden, den wir von einer anderen Marke gewinnen können.
In dieser Reihe wird oft auch Tesla genannt. Als Elon Musk zuletzt polarisierte und die Marke strauchelte, hätte man von Genesis ein Signal erwartet. Warum blieb es so ruhig?
Wir machen keine vergleichende Werbung. Es geht uns nicht darum, ob ein Mitbewerber gerade eine schlechte Zeit hat. Aber ich gebe Ihnen recht: Wir müssen in der Kommunikation vielleicht ein bisschen lauter werden. Wir
arbeiten gerade daran, dass die Wahrnehmung besser wird. Das Orange des neuen GV60 Magma ist die Antwort auf das Thema, ob wir nicht ein bisschen «bolder» werden wollen.
Ein Thema, das bei Tesla oder chinesischen Herstellern oft mitschwingt, ist die Sorge um Daten und Überwachung. Genesis ist weder amerikanisch noch chinesisch. Ist das nicht ein gewaltiges Verkaufsargument?
Wir argumentieren nie gegen ein anderes Land. Wir argumentieren damit, dass wir zum Hyundai-Konzern gehören, dass wir koreanisch sind und stolz darauf. Wir haben über 50 Jahre Erfahrung und sind technologisch führend.
Das ist uns wichtiger, als über andere Themen zu kommunizieren.
Aber Datenschutz ist für viele Kunden ein entscheidender Punkt. Gibt es bei Ihnen keine zentralen Server oder Kameras, die Daten ins Ausland übermitteln?
Wir haben keine versteckte oder offene Technologie, um ein Fahrzeug zu überwachen. Natürlich melden Fahrzeuge Daten, um Produkte zu verbessern oder Schäden festzustellen, aber wir halten uns an den rechtlichen Rahmen.
Kameradaten von den Fahrzeugen werden beispielsweise nicht übertragen. Datenschutz ist für uns compliance-relevant, und darauf würde sich der Hyundai-Konzern niemals einlassen, hier gegen Gesetze zu verstossen.
Zum Schluss noch ein Blick auf die Strategie: Sie expandieren derzeit in neue Märkte wie Italien, Frankreich oder Spanien. Welche Rolle spielt dabei der Standort Zürich, wo wir gerade sitzen?
Zurück zum Verbrenner und zum Vertrieb über Garagen: Europachef Peter Kronschnabl will mit Genesis wachsen.20min/Dominic Forstenhauser
Die Schweiz kann stolz sein, der Flagshipstore an der Bahnhofstrasse ist der grösste eigene Store von Genesis in Europa. Er ist absolut markenprägend. Aber ich bin der Meinung, wir haben das Potenzial bisher noch nicht so
genutzt, wie wir es könnten. Ich möchte diesen Standort künftig stärker europäisch einbinden – etwa für Investoren- oder Händlerkonferenzen. Wir haben hier unten einen grossen Event-Space, die Infrastruktur ist perfekt und
Zürich liegt zentral in Europa. Das ist ein riesiges Asset und ein grosses Investment, das wir künftig viel öfter nutzen müssen.
Peter Kronschnabl führt seit August 2025 das
Europageschäft der Automarke Genesis. Er steuert von Frankfurt aus die weitere Positionierung und den Ausbau der Marke auf dem europäischen Markt.
Kronschnabl kommt aus der klassischen Automobilwelt.
Mehr als 30 Jahre arbeitete er für die BMW Group, zuletzt mit Verantwortung für neue Märkte und Sondergeschäfte. Seine Laufbahn führte ihn durch
Vertrieb, Marketing und Geschäftsentwicklung – meist dort,
wo Marken aufgebaut oder neu ausgerichtet werden mussten.
Mit dem Wechsel zu Genesis übernimmt er eine Marke im
Aufbau. Seine Erfahrung aus dem Premiumsegment soll helfen, Genesis in Europa Schritt für Schritt zu etablieren.