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Jedoch wäre nun zu klären, welcher der letzten zwei sorbischen Ansätze, die sich beide scheinbar auf eine Farbe beziehen, am wahrscheinlichsten ist, unter der angenommenen Vorraussetzung, dass überhaupt eine von beiden die richtige Lösung darstellt oder ihr zumindest nahe kommt. Dies soll nun unter Aspekten einer einheimischen Betrachtung geschehen, da wohl keiner der Linguisten, die sich mit dem Thema befasst haben, jemals tatsächlich vor Ort gewesen sein dürfte. Scheinbar ist „schwarz“ die offensichtlichste Erklärung, da sowohl der sorbische Name als auch der heutige Ortsname die Form für das niedersorbische Wort für „Schwarz“ (èerny=Tscherni) beinhaltet. Oftmals wurde die Bedeutung „Schwarz“ in früheren Zeiten von dem guten schwarzen Boden hergeleitet, was meiner Ansicht nach bei der Qualität unserer Böden negiert werden kann. Jedoch wäre auch hier der dunkle Wald als Namensgeber denkbar, denn schaut man sich einmal in den Nachbardörfern um, wird die Verbindung zum Wald offensichtlich, der ehemalige sorbische Name für Eichwege „Dubraucke“ bedeutet Eichenwäldchen und auch der wendische Name von Wolfshain steht eigentlich für die Eibe. Dahingegen besitzt der wortwörtliche „Rot“- Ansatz eine unübersehbare Schwäche. In keiner einzigen Quelle außer der von 1283 taucht das „m/w“ auf, auf das sich diese Theorie stützt und aus dem Schwarz ein Rot macht.
Die Gefahr ist daher unwahrscheinlich groß, dass sich die gesamte heorie auf einen einzigen Rechtschreibfehler stützt. Ebenso bestehen aber auch schlagkräftige Argumente für diese These. In allen Gewässern unserer, Region vor allem auch im Föhrenfliess, finden sich mineralische Ausfällungen rotbraunen Eisenhydroxids, welches im Laufe der Zeit zu einer starken Rotfärbung der Böden führt. Als Beispiel könnte hier die so genannte „Zerrenza“ (das Wort ist sichtbar unserem cerny verwandt) in Groß-Kölzig dienen, dort lässt sich in Nähe der Malxeniederung deutlich die Rotverfärbung der Böden bei unbestellten Feldern erkennen. Auch in Sagar gibt es einen Graben der sich nach der eisenhaltigen roten Erde seines Bettes Cerwenca (= rote Erde) nennt5. In Tschernitz verlief ursprünglich die Straße Spremberg-Muskau näher entlang des Grenzgrabens, ebenso musste man den Ließgraben und den Penkagraben überqueren, bewegte man sich auf der ehemaligen Hauptverkehrsstraße, die in Richtung Triebel führte (jetzt Friedrichshainer Straße/Jerischker Weg) was vielleicht zu einer Fremdbezeichnung „Rotes-Dorf“ von Außenstehenden geführt hat. Hierbei könnte man auch einen Vergleich mit Zschorno heranziehen. Zschorno käme demnach vom altsorbischen èorny, was ebenfalls schwarz bedeutet, bezieht sich aber eventuell nicht wie allgemein geglaubt auf „Schwarzwasser“, sondern auch auf einen besonderen (dichten) Waldbestand, ähnlich der Bezeichnung wie „Schwarzwald“ oder er bezieht sich auf dunkle lehmige Böden und könnte somit der Unterscheidung „schwarzes“ Dorf und „rotes“ Dorf gedient haben.
Neben diesen Hypothesen angesehener Wissenschaftler, lässt sich noch einiges mehr erfahren, schlägt man einmal selbst in den Wörterbüchern nach. Unter dem nso. carny finden sich nach wie vor Bedeutungen um schwarz, wovon sich im Kreis Delitzsch der Ort Czernitz (1263) ableitet. Ebenfalls lässt sich vom selben Wort carny auch das nso. carnice ableiten, früher auch speziell im Muskauer Dialekt cernice ausgesprochen. Dieses cernice lässt sich wiederum zum Einen, als jegliche Form von Schwarzbeeren deuten (Brombeere, Heidelbeere), zum Anderen beschreibt es als Flurname ein Schwarzland, wie es im Unterspreewald als Flurname eines „Schwarzwaldes“ einen früheren Eichen und Buchenbestand bezeichnet7 hat. Cernice kann aber in der heutigen Nomenklatur auch das meinen, was wir unter Roterde verstehen8 und würde somit den Rot-Ansatz bekräftigen. Damit schließt sich nun der Kreis, denn so können die Theorien um schwarz und rot der Linguisten vereinigt werden. Egal ob sich nun der Dorfname von dem sorbischen Wort für schwarz oder rot herleitet, gemeint war wohl etwas Rötliches. Damit lässt sich zusammenfassend sagen, dass sich der Ortsname Tschernitz, entweder auf eine dunkle Waldfläche bezieht, oder wie ich glaube, dürfte die Bedeutung „Rot“ für die Böden als wahrscheinlichste Grundlage unseres Ortsnamen angenommen werden. _________________________________________________________________________________________
Abkürzungen aso. altsorbisch nso. Niedersorbisch urslaw. urslawisch
5 Mucke, Ernst, Wörterbuch der nieder-wendischen Sprache und ihrer Dialekte, Prag 1926 S.122. 6 Arnim, Hermann Graf von, Standesherrschaft zwischen Spree und Neiße, Frankfurt/M 31979 S. 500. 7 Mucke, Ernst, Wörterbuch der nieder-wendischen Sprache und ihrer Dialekte, Prag 1926. 8 Schuster-Šewc, H., Historisch-etymologisches Wörterbuch der ober- und niedersorbischen Sprache, Bautzen S.
Schließlich soll noch erwähnt werden, dass es auch eine Herleitung aus dem deutschen gibt. Ein gewisser Professor Meder (Quelle?) zieht für seine Erklärung das mittelhochdeutsche Wort „Scherne“ heran, das soviel wie kahle Stelle bedeutet und vielleicht eine ursprüngliche Lichtung bezeichnen könnte. Die Endung –itz könnte dann noch eine slawisierte Form sein oder als Kurzform des Lateinischen Wortes für Dorf vicus dienen. Dieser Versuch darf aber ganz gewiss verworfen werden, da es sehr unwahrscheinlich wäre einen deutschen Ortsnamen in unserer Region zu finden bei einem Ort der so alt ist wie Tschernitz.
Einen weiteren Ansatz bieten die älteren Bezeichnungen des Föhrenfliesses, denn es hieß nicht nur Grenzgraben sondern auch Zerna oder Zorna (1522)6. Von diesen Namen könnten sich die Ortsnamen Zernitz und Zschorne herleiten oder die Ortsnamen waren umgekehrt Namensgeber.
In dem aktuellsten Ortsnamen Lexikon (2006), greift Walter Wenzel wahrscheinlich auf eine Erklärung des 19. Jahrhunderts zurück: „“Èerñsk > Siedlung an einem dunklen Ort (wahrscheinlich im/am Walde) < zu nso. Carny, älter èerny, urslaw. >schwarz<.“4
Die zweite Deutung greift Ernst Eichler auf und gründet sie auf die Schreibung der Ersterwähnung: „Die unter 1283(?) genannte Schreibung Tzschermenitz kann auf aso. Èermnica zu èermny „rot“ weisen. Später ist der Name verkürzt worden und ergab nso. Cersk, gebildet mit –sk.“3 Leider kann hier nicht nachvollzogen werden, wie Eichler zu èermny kommt, da das Wort für Rot eigentlich cerweny heißen muss.
Im Wesentlichen gab es im Laufe der Zeit vier Theorien, die zumeist versuchen den Namen aus dem sorbisch-wendischen herzuleiten. Die erste Herleitung findet sich in Pfarrer Vetters Chronik1, als auch schon vorher in Standkes Heimatkunde der Niederlausitz2. Nach Ihnen kommt Tschernitz von dem Wort serbski oder im Muskauer Dialekt cerski, was nicht mehr als „der Wende“ bedeutet und danach meint es das „Wendendorf“, jedoch wird auf diese Deutung heute nicht mehr zurück gegriffen, da man meint, die anderen Theorien lägen etymologisch näher.
Den Ursprung des Tschernitzer Ortsnamens wird man wohl nie hundertprozentig datieren können, das Rätsel um seine Entstehung nie wirklich lüften. Historisch ist es leider nicht mehr sicher nachvollziehbar, wie unser Ort zu seinem Namen kam oder wer ihn als erstes so bezeichnet hat und wann er allgemeingültig unter diesem bekannt wurde. Jedoch kann man und sollte man immer noch versuchen zu klären, was denn seine ursprüngliche Bedeutung ist. Einzig sicher scheint, dass das Wort „Tschernitz“ etymologisch slawischen Ursprungs ist, womit alle Gewissheit aber auch schon ein Ende hat.
von M. Robisch
Ein Versuch zur Bedeutungsherleitung des Ortsnamen „Tschernitz“
Nomen est Omen
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